Todesfall im Hambacher Forst

Der Todesfall im Hambacher Forst verdeutlicht, dass es
dort um viel, um sehr viel geht. Es mutet verkrampft an,
wie die Medien ihn aus den Hauptschlagzeilen
heraushalten, als ob die unappetitlichen Winkelzüge im
Fall Maaßen wichtiger wären als das, worum im Hambacher
Forst gerungen wird: um die Wende von pathologischer
Naturzerstörung hin zu einer friedlichen Haltung zu den
außermenschlichen Gegebenheiten des Planeten. Albert
Schweitzer nannte es „Ehrfurcht vor dem Leben“ – und
gleichzeitig ist es „wohl verstandene Erhaltung unseres
eigenen Lebens“.
Die heute dringend nötige Beachtung, wie sich einzelne Aktionen auf die Ganzheit des Planeten auswirken, ist unserer Denkweise, gerade auch in rechtlicher Hinsicht, noch sehr fremd. So wird nun auch der Todesfall im Hambacher Forst aus seinem Zusammenhang herausseziert und so lange analysiert, bis er als isolierter „tragischer Unglücksfall“ dasteht, der mit den zerstörerischen
Polizeiaktionen nicht das Geringste zu tun hat –
geschweigedenn mit der Braunkohleverstromung.


Umso wunderbarer, dass sich menschliches Gefühl gepaart
mit aufrechtem Gang von einer Seite meldet, von der man
das nicht unbedingt erwarten würde: Der
Arbeitsbühnen-Verleiher Gerken, dessen Geräte beim Abriss
der Baumhäuser eingesetzt wurden, erklärt: „Da auch wir
mit der Vorgehensweise im Hambacher Forst absolut nicht
einverstanden waren und sind und wir auch den Einsatz
unserer Bühnen dort nicht weiter rechtfertigen können,
haben wir heute beschlossen, dass wir unsere Geräte dort
stilllegen. Wir machen das, obwohl wir es rein rechtlich
nicht dürfen, und setzen uns damit hohen
Regressansprüchen unseres Kunden aus.“
Auch dass die Landesregierung die Polizeiaktionen bis auf
Weiteres gestoppt hat, spricht für ein menschliches
Rühren in der Gesellschaft. Minister Reul lässt sich
dadurch leider nicht von dem Versuch abhalten, die Opfer
zu Verursachern umzudefinieren: Weitere Schadensfälle
sollen nicht dadurch verhindert werden, dass der
Hambacher Forst erhalten bleibt, sondern dadurch, dass
dessen Schützer aufgeben und sich zurückziehen.
Es ist zu hoffen, dass nach dem Todesfall die
Demonstration am 6. Oktober auf ihre Weise deutlich
macht, dass nicht der Hambacher Forst den
Braunkohlebaggern zu weichen hat, sondern die
pathologische Naturzerstörung der ökologischen
Bewirtschaftung unseres Planeten.