Corona verändert das Land – aber wie? Attac fordert: Menschen retten, nicht den Profit!

Pressemitteilung von Attac Paderborn

War das wirklich nötig? Brauchte es eine Corona-Pandemie mit so vielen Kranken und Toten, mit so vielen bis zur Verzweiflung gebrachten Klein-Selbständigen, denen die Existenzgrundlage verloren gegangen ist? Brauchte es Eltern, die durch Heimarbeit, Erziehung und Lehrerersatz für ihre Kinder an die Grenzen ihrer Belastung gebracht werden? Brauchte es erst die Aufopferungsbereitschaft der vielen unterbezahlten Menschen im öffentlichen und privaten Sektor, die trotz fehlender Schutzausrüstung unsere Gesundheit und die Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen der Daseinsvorsorge garantiert haben, damit sie die gebührende Aufmerksamkeit und Anerkennung bekommen? Es waren diese systemrelevanten Akteure*innen unserer Gesellschaft, die auch in Krisenzeiten die Infrastruktur, das stabile Gerüst unserer Gesellschaft, aufrechterhalten.

Durch die Corona-Pandemie sind die Konstruktionsfehler unseres durch die Globalisierung entfesselten Wirtschafts- und Finanzsystems, das auf einen unkontrollierten „freien“ Markt schwört, schlagartig deutlich geworden. Der Glaube, dass nur ein auf ständiges Wachstum ausgerichteter Weltmarkt die Menschheit beglücken kann wurde uns jahrzehntelang gepredigt und hat fast schon religiöse Züge angenommen. Finanzkrisen wie die von 2007 und 2009 sind längst schon vergessen und es gilt nur ein Motto in der Finanzwirtschaft: weiter so wie bisher.

Doch dass „ein Weiter so“, bei dem die Märkte alles zu unserem Besten regeln, nicht mehr zukunftstauglich ist, möchte Attac Paderborn an drei Beispielen deutlich machen:

  1. In den großen Schlachtbetrieben und im Baugewerbe werden keine Stammarbeitskräfte beschäftigt, sondern mittels Werkverträgen mit Subunternehmern, die wiederum Subunternehmer beauftragen, die Arbeiten vergeben und am Ende vorwiegend osteuropäische Arbeitskräfte zu sklavenähnlichen Bedingungen beschäftigt, wo der gesetzliche Mindestlohn ausgehebelt und Arbeitsschutz keine Rolle spielt.

  2. Unsere Krankenhäuser werden Schritt für Schritt privatisiert und die neuen Gesellschaften müssen unter dem Deckmantel der Wirtschaftlichkeit natürlich Gewinne für die Eigentümer erwirtschaften. Dafür werden radikale Sparzwänge verordnet und diese treffen zuerst das Personal, das drastisch reduziert wird. Die Folgen sind total überlastetes Personal was wiederum eine mangelhafte Patientenbetreuung nach sich zieht.

  3. Die Pharmaindustrie produziert die meisten Medikamente aus Kostengründen im Ausland. Vorräte für Epidemien werden nur unzureichend angelegt, was regelmäßig zu Engpässen in der medizinischen Versorgung führt. Die ausländischen Lieferanten, vorwiegend in Indien und China, können keine ausreichende Versorgung mit Medikamenten garantieren. Bei den dortigen Produktionsmethoden spielen Umweltschutz und faire Arbeitsbedingungen kaum eine Rolle.

Als Attac Paderborn fordern wir daher: Menschen retten, nicht den Profit!

Corona macht die Konstruktionsfehler unserer profitorientierten globalisierten Wirtschaft noch sichtbarer. Die Krise birgt aber auch eine Chance: uns darauf zu besinnen, #waswirklichwichtigist für eine Gesellschaft. Jetzt gilt es, die Prioritäten geradezurücken und die Menschen, nicht den Profit ins Zentrum zu stellen.
Die Rettungspakete müssen nicht das bisherige Wirtschaften retten, sondern Menschen, die sonst ins Nichts fallen. Die Krisenprogramme dürfen nicht Klimakiller am Leben halten, sondern müssen den sozial-ökologischen Umbau der Wirtschaft fördern. Und zur gesellschaftlichen Solidarität gehört eine öffentliche Daseinsvorsorge, die allen Menschen zugutekommt – im Gesundheitswesen und darüber hinaus.

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